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Buchhaltung fuer Handwerker: Auftragsabrechnung und Materialkosten

Markus Hoffmann

Markus Hoffmann

• Aktualisiert am 13. April 2026 • 7 Min. Lesezeit
Buchhaltung fuer Handwerker: Auftragsabrechnung und Materialkosten

Warum die Buchhaltung im Handwerk besondere Anforderungen stellt

Handwerker stehen vor Buchhaltungsherausforderungen, die ein klassischer Freelancer oder Berater nicht kennt. Materialeinkauf auf Rechnung, Teilrechnungen fuer groessere Auftraege, Lohnkosten fuer Mitarbeiter und die korrekte Abrechnung von Fahrtkosten machen die Buchfuehrung deutlich komplexer als bei einem Einpersonenunternehmen. Ich habe in den letzten zwei Jahren mehrere Handwerksbetriebe beim Aufbau einer strukturierten Buchhaltung begleitet und dabei gelernt, dass die groessten Zeitfresser nicht die Software sind, sondern fehlende Prozesse. In diesem Ratgeber zeige ich dir, wie du Auftragsabrechnung und Materialkosten sauber in den Griff bekommst.

Auftragsbasierte Buchhaltung: jeder Auftrag ein Mini-Projekt

Im Handwerk ist der einzelne Auftrag die zentrale Einheit. Ein Klempner, der ein Bad saniert, hat fuer diesen Auftrag Materialkosten, Arbeitszeit, Fahrtkosten und gegebenenfalls Subunternehmer. Um am Ende zu wissen, ob der Auftrag profitabel war, muss jeder Kostenpunkt dem Auftrag zugeordnet werden.

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In SevDesk loese ich das ueber die Projektzuordnung. Jeder Auftrag bekommt ein eigenes Projekt, und alle zugehoerigen Belege werden diesem Projekt zugewiesen. Am Ende sehe ich auf einen Blick: Materialkosten 1.200 Euro, Arbeitszeit 2.400 Euro, Fahrtkosten 80 Euro, Gesamtkosten 3.680 Euro, Rechnungsbetrag 4.800 Euro, Marge 1.120 Euro.

Diese Transparenz fehlt in vielen Handwerksbetrieben. Ich kenne Betriebe, die erst am Jahresende merken, dass bestimmte Auftragstypen unter dem Strich Verlust bringen. Das passiert, wenn Materialkosten nicht korrekt zugeordnet werden oder wenn die eigene Arbeitszeit nicht kalkuliert wird.

Materialkosten erfassen: vom Einkauf bis zur Verrechnung

Materialkosten sind im Handwerk oft der groesste Einzelposten. Die korrekte Erfassung beginnt beim Einkauf im Grosshandel oder Baumarkt und endet bei der Zuordnung zum jeweiligen Auftrag.

Mein empfohlener Ablauf: Jede Materialrechnung wird sofort in SevDesk erfasst, entweder per Scan oder per E-Mail-Weiterleitung. Im Beschreibungsfeld notiere ich den Auftrag, fuer den das Material bestimmt ist. Bei Sammelbestellungen fuer mehrere Auftraege teile ich die Rechnung auf und weise jeden Teil dem jeweiligen Projekt zu.

In der Praxis scheitert das oft an der Disziplin. Der Meister kauft morgens im Grosshandel ein, der Beleg landet in der Hosentasche und taucht drei Wochen spaeter zerknittert wieder auf. Mein Tipp: Nutze die SevDesk-App und fotografiere jeden Beleg sofort nach dem Kauf. Die 30 Sekunden, die das kostet, sparen dir spaeter 30 Minuten Suchen. Mehr zur Belegerfassung im Vergleich habe ich in einem separaten Ratgeber zusammengestellt.

Angebote, Auftraege und Rechnungen: der Dokumentenkreislauf

Im Handwerk folgt der typische Dokumentenkreislauf einem festen Muster: Angebot, Auftragsbestaetigung, gegebenenfalls Teilrechnungen, Schlussrechnung. SevDesk bildet diesen Kreislauf ab, indem du ein Angebot in eine Rechnung umwandeln kannst, ohne die Daten neu einzugeben.

Mein Vorgehen bei einem typischen Auftrag:

Schritt 1: Angebot erstellen. Ich kalkuliere Material, Arbeitszeit und einen Aufschlag fuer Unvorhergesehenes (meistens 10 Prozent). Das Angebot geht als PDF an den Kunden.

Schritt 2: Auftragsbestaetigung. Nach Annahme wandle ich das Angebot in SevDesk in einen Auftrag um. Dabei werden alle Positionen uebernommen.

Schritt 3: Teilrechnungen. Bei Auftraegen ueber 5.000 Euro vereinbare ich Teilrechnungen: 30 Prozent bei Auftragserteilung, 40 Prozent nach Materialbeschaffung, 30 Prozent nach Abnahme. Das sichert meine Liquiditaet und reduziert das Ausfallrisiko.

Schritt 4: Schlussrechnung. Nach Abnahme erstelle ich die Schlussrechnung unter Anrechnung der bereits gezahlten Teilrechnungen. SevDesk berechnet den Restbetrag automatisch.

Fahrtkosten und Maschinenkosten korrekt buchen

Handwerker sind viel unterwegs, und Fahrtkosten koennen einen erheblichen Teil der Betriebsausgaben ausmachen. Es gibt zwei Methoden zur Erfassung: das Fahrtenbuch und die Kilometerpauschale.

Bei einem betrieblichen Fahrzeug mit ueber 50 Prozent betrieblicher Nutzung empfehle ich das Fahrtenbuch, weil du dann alle tatsaechlichen Kosten absetzen kannst. Bei gemischter Nutzung ist die 1-Prozent-Regelung oft einfacher, aber nicht immer guenstiger.

Maschinenkosten fuer Werkzeuge und Geraete buchst du als Betriebsausgaben. Geraete unter 800 Euro netto kannst du als geringwertige Wirtschaftsgueter sofort absetzen. Teurere Maschinen muessen ueber die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Die AfA-Tabelle des Bundesfinanzministeriums gibt die Nutzungsdauer fuer die meisten Handwerksmaschinen vor. Mehr zu Abschreibungen findest du in meinem Ratgeber zu Abschreibungen und AfA-Tabellen.

Vergleich: Buchhaltungssoftware fuer Handwerksbetriebe

Kriterium SevDesk Lexoffice DATEV Sage Handwerk
Auftragsabwicklung Angebot bis Rechnung Angebot bis Rechnung Ueber Kanzlei Komplett inkl. Kalkulation
Materialverwaltung Basis (Artikel) Basis (Artikel) Nicht nativ Umfassend mit Lagerverwaltung
Teilrechnungen Ja Ja Ja Ja, inkl. Abschlagsrechnungen
Belegerfassung mobil Sehr gut (App + OCR) Gut (App) Eingeschraenkt Basis
DATEV-Export Ja Ja Nativ Ja
Lohnbuchhaltung Nein (Partnerintegration) Nein Ja Ja
Kosten pro Monat ab 17,90 EUR ab 11,90 EUR ueber Steuerberater ab 39,90 EUR
Geeignet fuer 1-10 Mitarbeiter 1-5 Mitarbeiter Ab 10 Mitarbeiter 5-50 Mitarbeiter

Lohnkosten fuer Mitarbeiter: was in die Kalkulation gehoert

Wenn du Mitarbeiter beschaeftigst, sind die Lohnkosten dein groesster Posten. Dabei ist der Bruttolohn nur ein Teil der Gesamtkosten. Dazu kommen Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung (etwa 20 Prozent), Berufsgenossenschaftsbeitraege, Urlaubsgeld und eventuell vermoegenswirksame Leistungen.

Als Faustregel gilt: Die tatsaechlichen Kosten eines Mitarbeiters liegen bei etwa 130 bis 140 Prozent des Bruttolohns. Ein Geselle mit 3.000 Euro brutto kostet dich also etwa 3.900 bis 4.200 Euro pro Monat. Diese Zahl musst du in deine Stundensatzkalkulation einbeziehen.

In der Buchhaltung buchst du Loehne und Gehaelter auf die Konten 4100 bis 4199 in SKR03, die Sozialversicherungsbeitraege auf 4130. Die Lohnbuchhaltung fuer kleine Unternehmen habe ich in einem eigenen Ratgeber detailliert beschrieben.

Stundensatzkalkulation: was deine Stunde wirklich kosten muss

Viele Handwerker kalkulieren ihren Stundensatz nach Gefuehl. Das fuehrt regelmaessig dazu, dass Auftraege unter dem Strich Verlust bringen. Eine saubere Kalkulation sieht so aus:

Produktive Stunden pro Jahr: Von 2.080 Arbeitsstunden (40 Stunden mal 52 Wochen) ziehst du Urlaub, Feiertage, Krankheit und unproduktive Zeit (Fahrt, Verwaltung) ab. Uebrig bleiben typischerweise 1.400 bis 1.600 produktive Stunden.

Gesamtkosten pro Jahr: Dein Gehalt plus Sozialversicherung plus Betriebskosten (Miete, Versicherungen, Fahrzeug, Werkzeug, Software) plus Gewinnmarge. Sagen wir 80.000 Euro Gesamtkosten inklusive 10 Prozent Gewinnmarge.

Stundensatz: 80.000 Euro geteilt durch 1.500 produktive Stunden ergibt 53,33 Euro netto pro Stunde. Zuzueglich 19 Prozent Mehrwertsteuer sind das 63,47 Euro brutto. Wenn du weniger berechnest, arbeitest du nicht kostendeckend.

Subunternehmer richtig abrechnen

Viele Handwerksbetriebe arbeiten bei groesseren Auftraegen mit Subunternehmern. Die Abrechnung hat steuerliche Besonderheiten, die du kennen solltest.

Wenn der Subunternehmer eine Bauleistung erbringt und du als Auftraggeber ebenfalls Bauleistungen ausfuehrst, greift die Umkehr der Steuerschuldnerschaft nach Paragraph 13b UStG. Das bedeutet: Der Subunternehmer stellt eine Rechnung ohne Umsatzsteuer, und du schuldest die Umsatzsteuer direkt an das Finanzamt. In der Buchhaltung buchst du die Rechnung auf ein spezielles Konto fuer 13b-Leistungen.

In SevDesk kannst du fuer 13b-Belege einen eigenen Steuersatz anlegen, der die Umkehr der Steuerschuldnerschaft korrekt abbildet. Das stellt sicher, dass die Umsatzsteuer-Voranmeldung richtig berechnet wird.

Digitale Aufmass- und Baustellendokumentation

Ein Bereich, der oft vergessen wird, ist die Verbindung zwischen Baustellendokumentation und Buchhaltung. Digitale Aufmass-Tools wie Plangrid, PlanRadar oder Craftnote erfassen Mengen, Materialien und Arbeitszeiten vor Ort. Diese Daten koennen als Grundlage fuer die Rechnungsstellung dienen.

In meiner Beratung empfehle ich, die Baustellendokumentation direkt mit der Buchhaltung zu verknuepfen. Wenn das Aufmass digital vorliegt, kann die Rechnung automatisch erstellt werden, ohne dass Positionen manuell uebertragen werden muessen. Das reduziert Fehler und spart Zeit.

Mein Fazit zur Buchhaltung im Handwerk

Die Buchhaltung fuer Handwerker ist anspruchsvoller als fuer reine Dienstleister, aber mit dem richtigen Setup und klaren Prozessen gut zu bewaltigen. Der Schluessel liegt in der konsequenten Zuordnung aller Kosten zum jeweiligen Auftrag und in der mobilen Belegerfassung direkt vor Ort. Wer das einmal eingerichtet hat, spart nicht nur Stunden bei der Buchhaltung, sondern erkennt auch frueh, welche Auftraege sich lohnen und welche nicht. Weitere Tipps zur Vermeidung von Buchhaltungsfehlern habe ich in einem eigenen Ratgeber zusammengestellt.

Haeufig gestellte Fragen

Brauche ich als Handwerker eine spezielle Buchhaltungssoftware?

Fuer kleine Betriebe mit bis zu fuenf Mitarbeitern reicht eine allgemeine Software wie SevDesk oder Lexoffice voellig aus. Ab zehn Mitarbeitern oder bei komplexer Auftragsabwicklung mit Aufmass und Nachkalkulation lohnt sich eine branchenspezifische Loesung wie Sage Handwerk oder TopKontor. Die Investition amortisiert sich ueber die Zeitersparnis.

Wie buche ich Material, das fuer mehrere Auftraege gekauft wurde?

Du teilst die Rechnung anteilig auf die betroffenen Auftraege auf. In SevDesk erstellst du fuer jede Position eine separate Buchung mit Projektzuordnung. Wenn die genaue Aufteilung nicht moeglich ist, schaetze den Anteil und dokumentiere die Schaetzung. Dein Steuerberater wird das akzeptieren, solange die Methode nachvollziehbar ist.

Muss ich als Handwerker ein Kassenbuch fuehren?

Wenn du Bareinnahmen hast, zum Beispiel bei Kleinauftraegen, musst du ein Kassenbuch fuehren. Die GoBD verlangt die taegliche Erfassung aller Bargeldbewegungen. Digital geht das deutlich einfacher als auf Papier. SevDesk bietet eine Kassenbuchfunktion, die die Anforderungen erfuellt.

Wie gehe ich mit Gewaehrleistungskosten um, die Monate nach dem Auftrag anfallen?

Gewaehrleistungskosten buchst du als Betriebsausgaben im Jahr der Zahlung (bei EUeR) oder als Rueckstellung im Jahr der Leistungserbringung (bei Bilanzierung). In jedem Fall ordnest du die Kosten dem Originalprojekt zu, damit die Nachkalkulation vollstaendig ist. So erkennst du, ob bestimmte Auftragstypen haeufiger Gewaehrleistungsfaelle verursachen.

Kann ich Werkzeug und Maschinen sofort absetzen?

Ja, wenn die Anschaffungskosten netto unter 800 Euro liegen, kannst du das Werkzeug als geringwertiges Wirtschaftsgut sofort und vollstaendig absetzen. Ab 800,01 Euro musst du ueber die betriebsgewoehnliche Nutzungsdauer abschreiben. Eine Ausnahme ist der Sammelposten fuer Wirtschaftsgueter zwischen 250 und 1.000 Euro, den du ueber fuenf Jahre pauschal abschreiben kannst.

Markus Hoffmann
Von Markus Hoffmann

Markus Hoffmann ist zertifizierter Buchhalter mit 18 Jahren Berufserfahrung in der Beratung von Freiberuflern und kleinen Unternehmen. Als langjähriger Partner mehrerer Steuerberatungskanzleien in Bayern hat er Hunderte von Unternehmern bei der Wahl ihrer Buchhaltungssoftware begleitet. Auf buchhaltung-test.com testet er unabhängig SevDesk, Lexoffice, Fastbill und weitere Lösungen für den deutschen Markt.

 ·  Zuletzt aktualisiert: 13. April 2026

Markus Hoffmann

Markus Hoffmann

Steuerberater und Buchhaltungsexperte

Steuerberater mit ueber 15 Jahren Erfahrung. Ich habe mehr als 20 Buchhaltungsprogramme getestet und teile hier meine Praxiserfahrung, um Ihnen bei der richtigen Wahl zu helfen.

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