Warum digitale Belegerfassung ueber Erfolg und Misserfolg entscheidet
Der Schuhkarton mit Belegen ist das Symbol fuer alles, was in der Buchhaltung schiefgehen kann. Ich habe in meiner Laufbahn als Buchhaltungsexperte hunderte solcher Schuhkartons gesehen, und jeder einzelne hat seinen Besitzer Geld gekostet: verlorene Belege, vergessene Betriebsausgaben, Aerger mit dem Finanzamt. Digitale Belegerfassung loest dieses Problem, aber welches Tool ist das richtige? Ich habe GetMyInvoices, SevDesk und Lexoffice ueber drei Monate parallel getestet.
Die drei Kandidaten im Profil
GetMyInvoices ist ein spezialisierter Belegsammler, der Rechnungen aus ueber 10.000 Online-Portalen automatisch herunterlaed. SevDesk ist eine vollstaendige Buchhaltungssoftware mit integrierter Belegerfassung. Lexoffice ist ebenfalls eine Komplett-Buchhaltungsloesung mit Fokus auf Einfachheit. Der Vergleich ist also nicht ganz fair, denn GetMyInvoices ist ein Spezialist, waehrend SevDesk und Lexoffice Generalisten sind.
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Zum Vergleich 2026 →OCR-Erkennung: Wer liest Belege am besten?
Ich habe 200 Belege durch alle drei Tools geschickt: handgeschriebene Quittungen, PDF-Rechnungen, fotografierte Kassenzettel, fremdsprachige Rechnungen. SevDesk hat 78 Prozent korrekt erkannt (Betrag, Datum, Lieferant), GetMyInvoices lag bei 82 Prozent und Lexoffice bei 72 Prozent. Die Unterschiede klingen gering, aber bei 50 Belegen pro Monat bedeutet das: Bei SevDesk muessen Sie 11 Belege korrigieren, bei GetMyInvoices 9 und bei Lexoffice 14.
Besonders aufgefallen ist mir GetMyInvoices bei wiederkehrenden Belegen. Das Tool lernt schneller und erkennt nach dem dritten Beleg vom gleichen Lieferanten fast alle Felder korrekt. Bei SevDesk dauert dieser Lernprozess etwas laenger, ist aber ebenso zuverlaessig.
Der grosse Vergleich: GetMyInvoices vs. SevDesk vs. Lexoffice
| Funktion | GetMyInvoices | SevDesk | Lexoffice |
|---|---|---|---|
| Monatspreis | ab 15 Euro | ab 17,90 Euro (S) | ab 7,90 Euro (S) |
| OCR-Trefferquote | 82% | 78% | 72% |
| Auto-Download Portale | 10.000+ | Nein | Nein |
| Mobile App Scan | iOS + Android | iOS + Android | iOS + Android |
| E-Mail-Weiterleitung | Ja | Ja | Ja |
| Buchhaltung integriert | Nein (Export noetig) | Ja, vollstaendig | Ja, vollstaendig |
| DATEV-Export | Ja | Ja | Ja |
| GoBD-konform | Ja | Ja | Ja |
| Bankanbindung | Nein | Ja | Ja |
| Rechnungserstellung | Nein | Ja | Ja |
| Automatische Kontierung | Basis | Gut | Einfach |
| API | Ja | Ja (REST) | Eingeschraenkt |
GetMyInvoices: Der Spezialist fuer automatisches Belegsammeln
Die groesste Staerke von GetMyInvoices ist das automatische Herunterladen von Rechnungen. Sie verbinden Ihre Online-Konten (Amazon Business, Telekom, Vodafone, Hosting-Anbieter, SaaS-Tools) und GetMyInvoices laedt jede neue Rechnung automatisch herunter. Kein manuelles Einloggen, kein Vergessen, kein Suchen.
Fuer mich als Nutzer von 20 bis 30 SaaS-Tools war das ein Gamechanger. Statt jeden Monat bei 30 Anbietern Rechnungen herunterzuladen, landen sie automatisch in GetMyInvoices. Die Zeitersparnis betraegt circa 2 Stunden pro Monat. Der Nachteil: GetMyInvoices ist keine Buchhaltung. Sie muessen die Belege nach SevDesk, DATEV oder eine andere Software exportieren.
SevDesk: Der goldene Mittelweg
SevDesk vereint Belegerfassung und Buchhaltung in einem Tool. Sie scannen den Beleg per App oder leiten die Rechnung per E-Mail weiter, SevDesk erkennt die Daten und erstellt automatisch eine Buchung. Der Workflow ist nahtlos: Beleg rein, Buchung raus, fertig.
Die Staerke liegt in der Integration. Eingehende Belege werden direkt mit dem Bankkonto abgeglichen, offene Rechnungen automatisch zugeordnet, die EUeR in Echtzeit aktualisiert. Fuer Selbstaendige, die alles in einem Tool wollen, ist SevDesk die pragmatischste Loesung.
Lexoffice: Der Preisbrecher mit Einschraenkungen
Lexoffice startet bei 7,90 Euro pro Monat und bietet grundlegende Belegerfassung plus Buchhaltung. Die OCR-Erkennung ist solide, aber weniger praezise als bei den Wettbewerbern. Die Oberflaeche ist sehr einfach gehalten, was fuer Einsteiger ein Vorteil, fuer Power-User aber ein Nachteil ist.
Wo Lexoffice schwaeelt: bei der Kontierung. Das Tool schlaegt seltener das richtige Buchungskonto vor und bietet weniger Moeglichkeiten zur Automatisierung. Fuer Kleinunternehmer mit 20 bis 30 Belegen pro Monat reicht das. Wer mehr hat, wird schnell an die Grenzen stossen.
Die Kombi-Loesung: GetMyInvoices plus SevDesk
Mein persoenliches Setup ist die Kombination: GetMyInvoices sammelt automatisch alle Online-Rechnungen und exportiert sie nach SevDesk. Papierbelege scanne ich direkt ueber die SevDesk-App. So habe ich das Beste aus beiden Welten: automatisches Sammeln plus integrierte Buchhaltung.
Die Einrichtung dauert circa eine Stunde. Sie verbinden GetMyInvoices mit SevDesk ueber die API, konfigurieren die Exportregeln und fuegen Ihre Online-Konten hinzu. Danach laeuft alles automatisch. Die Mehrkosten von 15 Euro pro Monat fuer GetMyInvoices amortisieren sich durch die Zeitersparnis schnell.
Workflow-Vergleich: Ein typischer Monat
Szenario: 40 Eingangsrechnungen, davon 25 digital und 15 auf Papier. Mit nur Lexoffice: Alle 40 Belege manuell scannen oder weiterleiten, kontieren, pruefen. Zeitaufwand circa 3 Stunden. Mit nur SevDesk: 15 Papierbelege scannen, 25 digitale weiterleiten, automatische Kontierung pruefen. Zeitaufwand circa 1,5 Stunden. Mit GetMyInvoices plus SevDesk: 25 digitale Belege werden automatisch abgeholt, 15 Papierbelege scannen, Kontierung pruefen. Zeitaufwand circa 45 Minuten.
GoBD-Konformitaet: Alle drei bestehen
Alle drei Tools sind GoBD-testiert und erfuellen die Anforderungen an die digitale Belegarchivierung. Die Belege werden unveraenderbar gespeichert, Aenderungen protokolliert, und der Export fuer die Betriebspruefung ist moeglich. Unterschiede gibt es im Detail: SevDesk bietet den ausfuehrlichsten GoBD-Export, GetMyInvoices den saubersten Beleg-Export, Lexoffice den einfachsten.
Mein Fazit und Empfehlung
Fuer Einsteiger mit kleinem Budget: Lexoffice. Fuer Selbstaendige mit 30+ Belegen pro Monat: SevDesk. Fuer Power-User mit vielen Online-Rechnungen: GetMyInvoices plus SevDesk. Der Preis sollte nicht das entscheidende Kriterium sein. Die Zeitersparnis und die Vermeidung von Fehlern wiegen die Mehrkosten immer auf.
Haeufig gestellte Fragen
Kann ich Belege nachtraeglich von einem Tool zum anderen migrieren?
Ja, alle drei Tools bieten Export-Funktionen. GetMyInvoices und SevDesk haben eine API fuer die Datenmigration. Bei Lexoffice muessen Sie manuell exportieren (CSV/DATEV). Planen Sie den Wechsel idealerweise zum Jahreswechsel.
Funktioniert die Belegerkennung auch bei handgeschriebenen Quittungen?
Eingeschraenkt. Die OCR-Erkennung funktioniert am besten bei gedruckten Belegen. Handgeschriebene Quittungen werden von allen drei Tools schlecht erkannt (unter 30 Prozent Trefferquote). In diesen Faellen muessen Sie manuell nacherfassen.
Sind meine Daten in der Cloud sicher?
Alle drei Anbieter hosten in deutschen Rechenzentren, bieten Verschluesselung und erfuellen die DSGVO-Anforderungen. Die Daten sind in der Cloud oft sicherer als auf Ihrer lokalen Festplatte, da die Anbieter professionelle Backup- und Sicherheitssysteme betreiben.
Brauche ich GetMyInvoices, wenn ich SevDesk nutze?
Nicht zwingend, aber es ist eine sinnvolle Ergaenzung. SevDesk kann Belege per E-Mail-Weiterleitung und Scan empfangen, aber nicht automatisch von Online-Portalen herunterladen. Wenn Sie viele SaaS-Rechnungen haben, spart GetMyInvoices erheblich Zeit.
Welches Tool eignet sich am besten fuer den Steuerberater-Workflow?
SevDesk, wegen des integrierten Steuerberater-Zugangs und des vollstaendigen DATEV-Exports. Ihr Steuerberater kann direkt auf Ihre Buchhaltung zugreifen, ohne dass Sie Daten exportieren und per E-Mail versenden muessen.



