Warum betriebliche Altersvorsorge gerade fuer KMU interessant ist
Die betriebliche Altersvorsorge ist ein Thema, das viele Kleinunternehmer und Mittelstaendler vor sich herschieben, obwohl die steuerlichen Vorteile erheblich sind. Als ich mich vor zwei Jahren erstmals damit beschaeftigt habe, war ich ueberrascht, wie viel Steuern und Sozialabgaben sich mit den richtigen Durchfuehrungswegen sparen lassen. In diesem Ratgeber erklaere ich die fuenf Durchfuehrungswege, zeige die steuerlichen Vorteile und beschreibe, wie du die Beitraege in der Buchhaltung korrekt erfasst.
Die fuenf Durchfuehrungswege der betrieblichen Altersvorsorge
Das deutsche Betriebsrentengesetz kennt fuenf Durchfuehrungswege, die sich in Aufwand, Flexibilitaet und steuerlicher Behandlung unterscheiden:
📊 Die beste Buchhaltungssoftware 2026
Vergleichen Sie SevDesk, lexoffice und FastBill. Finden Sie die perfekte Lösung für Ihre Buchhaltung.
Zum Vergleich 2026 →Direktzusage (Pensionszusage): Der Arbeitgeber sagt dem Mitarbeiter eine Rente direkt zu und bildet dafuer Pensionsrueckstellungen in der Bilanz. Vorteil: hohe Flexibilitaet und keine externen Kosten. Nachteil: Bilanzbelastung und Insolvenzsicherungspflicht ueber den PSVaG.
Unterstuetzungskasse: Eine rechtlich selbstaendige Versorgungseinrichtung des Arbeitgebers oder mehrerer Arbeitgeber. Vorteil: keine Begrenzung der Beitraege. Nachteil: komplex in der Verwaltung, eher fuer groessere Unternehmen geeignet.
Direktversicherung: Der Arbeitgeber schliesst eine Lebensversicherung auf das Leben des Mitarbeiters ab. Vorteil: einfach, standardisiert und sehr verbreitet bei KMU. Nachteil: begrenzte Beitraege und Rendite.
Pensionskasse: Aehnlich wie die Direktversicherung, aber ueber eine Pensionskasse als Versorgungstraeger. Vorteil: reguliert und sicher. Nachteil: oft geringere Rendite als andere Wege.
Pensionsfonds: Mehr Anlagefreiheit als Pensionskasse, dadurch potenziell hoehere Rendite. Vorteil: flexible Kapitalanlage. Nachteil: Nachschusspflicht bei Unterdeckung.
Die Direktversicherung: der Standard fuer kleine Unternehmen
Fuer KMU mit bis zu 50 Mitarbeitern ist die Direktversicherung der mit Abstand haeufigste Durchfuehrungsweg. Der Ablauf ist einfach: Der Arbeitgeber schliesst eine Lebens- oder Rentenversicherung ab, zahlt die Beitraege und der Mitarbeiter erhaelt im Rentenalter die Leistung.
Die steuerlichen Vorteile sind erheblich. Beitraege bis zu 302 Euro pro Monat (Stand 2026, 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze) sind steuerfrei nach Paragraph 3 Nr. 63 EStG. Zusaetzlich sind sie sozialversicherungsfrei, was sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer entlastet.
Ein Rechenbeispiel: Bei einem Beitrag von 250 Euro pro Monat spart der Arbeitgeber etwa 50 Euro Sozialversicherungsanteil (20 Prozent AG-Anteil). Der Mitarbeiter spart ebenfalls etwa 50 Euro Sozialversicherung plus den Einkommensteuervorteil, je nach Steuersatz zwischen 50 und 100 Euro. In Summe profitieren beide Seiten.
Seit dem Betriebsrentenstarkungsgesetz von 2018 muss der Arbeitgeber bei Entgeltumwandlung einen Zuschuss von mindestens 15 Prozent leisten, sofern er Sozialversicherungsbeitraege einspart. Das sind bei 250 Euro Entgeltumwandlung mindestens 37,50 Euro Arbeitgeberzuschuss.
Steuerliche Vorteile im Ueberblick
| Aspekt | Direktversicherung | Direktzusage | Unterstuetzungskasse |
|---|---|---|---|
| Steuerfreie Beitraege (AG) | Bis 302 EUR/Monat | Unbegrenzt (Rueckstellung) | Unbegrenzt |
| SV-Freiheit Beitraege | Bis 302 EUR/Monat | Nein | Nein |
| Betriebsausgabenabzug | Ja, sofort | Ja, ueber Rueckstellung | Ja, sofort |
| Bilanzbelastung | Keine | Hoch (Pensionsrueckstellung) | Gering |
| Verwaltungsaufwand | Gering | Hoch | Mittel bis hoch |
| Geeignet fuer | KMU 1-50 MA | Groessere Unternehmen | Mittelstand |
| Insolvenzsicherung | Nicht noetig (externer Traeger) | PSVaG-Pflicht | PSVaG-Pflicht |
Buchung in der Praxis: Direktversicherung in SevDesk
Die Buchung der Direktversicherungsbeitraege in der Buchhaltung ist straightforward. Du buchst den monatlichen Beitrag als Betriebsausgabe auf Konto 4168 in SKR03 (Beitraege zur Direktversicherung) oder auf Konto 6180 in SKR04.
Mein Buchungssatz in SevDesk: Konto 4168 (Aufwand Direktversicherung) an Konto 1200 (Bank), Betrag 250 Euro. Die Buchung erfolgt monatlich zum Zeitpunkt der Zahlung. Umsatzsteuer faellt nicht an, weil Versicherungsbeitraege umsatzsteuerfrei sind.
Bei Entgeltumwandlung, also wenn der Mitarbeiter auf Teile seines Bruttogehalts verzichtet, aendert sich die Buchung: Das Bruttogehalt sinkt um den Umwandlungsbetrag, und du buchst den Beitrag separat als Versicherungsaufwand. Die Lohnabrechnung muss das korrekt abbilden, was die meisten Lohnprogramme automatisch koennen.
Ein Hinweis: Wenn du den Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent zahlst, buchst du diesen ebenfalls auf Konto 4168. Der Zuschuss ist als Betriebsausgabe abziehbar und reduziert deinen Gewinn. Details zur Lohnabrechnung findest du in meinem Ratgeber zur Lohnbuchhaltung fuer kleine Unternehmen.
Direktzusage buchen: Pensionsrueckstellungen in der Bilanz
Die Direktzusage ist buchhalterisch komplexer. Du bildest eine Pensionsrueckstellung in der Bilanz, die den Barwert der zukuenftigen Verpflichtung abbildet. Die jaehrliche Zufuehrung zur Rueckstellung ist eine Betriebsausgabe, die den Gewinn mindert.
Die Bewertung der Pensionsrueckstellung erfolgt nach Paragraph 6a EStG und erfordert ein versicherungsmathematisches Gutachten. Die Kosten fuer das Gutachten liegen bei 500 bis 2.000 Euro pro Jahr, je nach Komplexitaet. Fuer KMU mit wenigen Pensionszusagen ist das ein relevanter Aufwand.
Der Buchungssatz: Konto 6230 (Aufwendungen fuer Altersversorgung) an Konto 3070 (Pensionsrueckstellungen). Der Betrag entspricht der Zufuehrung laut Gutachten. SevDesk kann diese Buchung als manuelle Buchung erfassen, aber die Bewertung selbst muss vom Steuerberater oder Aktuar kommen.
Gehaltsumwandlung als Mitarbeiter-Benefit: so ueberzeugst du dein Team
Fuer Mitarbeiter ist die Entgeltumwandlung attraktiv, weil sie die Steuer- und Sozialversicherungslast sofort senkt. Ein Mitarbeiter mit einem Bruttogehalt von 3.500 Euro, der 200 Euro in eine Direktversicherung umwandelt, hat netto nur etwa 100 Euro weniger auf dem Konto, baut aber 200 Euro plus Arbeitgeberzuschuss an Altersvorsorge auf.
In der Praxis funktioniert die Kommunikation am besten mit konkreten Zahlen. Ich empfehle, jedem Mitarbeiter eine individuelle Berechnung vorzulegen, die den Nettoverzicht und die Vorsorgehöhe gegenueberstellt. Viele Versicherer bieten diese Berechnung kostenlos an.
Ein Nachteil, den du transparent kommunizieren solltest: Die spaetere Rentenleistung ist voll steuerpflichtig und krankenversicherungspflichtig. Das mindert die effektive Rendite, macht die bAV aber nicht unattraktiv, weil der Steuersatz im Alter typischerweise niedriger ist als waehrend des Erwerbslebens.
Arbeitgeberzuschuss und Matching-Modelle
Ueber den Pflichtzuschuss von 15 Prozent hinaus kannst du als Arbeitgeber freiwillig hoehere Zueschuesse leisten. Das macht die bAV fuer Mitarbeiter deutlich attraktiver und ist ein wirksames Instrument zur Mitarbeiterbindung.
Ein verbreitetes Modell: Der Mitarbeiter wandelt 150 Euro um, der Arbeitgeber legt 100 Euro obendrauf. Die 100 Euro Arbeitgeberzuschuss sind vollstaendig als Betriebsausgabe abziehbar und sozialversicherungsfrei. Effektiv kostet dich der Zuschuss also weniger als eine regulaere Gehaltserhoehung.
Alternativ gibt es rein arbeitgeberfinanzierte Modelle, bei denen der gesamte Beitrag vom Arbeitgeber stammt. Das ist steuerlich ebenfalls attraktiv und signalisiert Wertschaetzung, erfordert aber natuerlich ein hoeheres Budget.
Altersvorsorge fuer den Unternehmer selbst
Als Geschaeftsfuehrer einer GmbH kannst du dir selbst eine Direktzusage geben. Das ist steuerlich interessant, weil die Pensionsrueckstellungen den Gewinn der GmbH mindern. Allerdings gelten strenge Regeln zur Angemessenheit: Die Zusage darf nicht mehr als 75 Prozent des letzten Gehalts betragen, und es muss eine Wartezeit von mindestens zwei Jahren seit Gruendung vergangen sein.
Als Einzelunternehmer hast du keinen Zugang zur klassischen bAV, kannst aber ueber Rueerup-Rente (Basisrente) und private Rentenversicherung vorsorgen. Die Rueerup-Beitraege sind 2026 zu 100 Prozent als Sonderausgaben absetzbar, bis zu 27.566 Euro (Alleinstehende) oder 55.132 Euro (Verheiratete). Einen Vergleich der Vorsorgeoptionen findest du in meinem Ratgeber zu Riester und Ruerup fuer Selbstaendige.
Stolperfallen bei der betrieblichen Altersvorsorge
In meiner Beratungspraxis begegnen mir regelmaessig die gleichen Fehler:
Fehler 1: Pflichtzuschuss vergessen. Seit 2022 ist der 15-Prozent-Zuschuss bei Entgeltumwandlung Pflicht. Wer ihn nicht zahlt, riskiert Nachforderungen und Schadensersatzansprueche der Mitarbeiter.
Fehler 2: Versorgungszusage unklar formuliert. Die Zusage muss schriftlich und eindeutig sein. Formulierungen wie „wir zahlen ungefaehr 200 Euro“ reichen nicht. Nutze die Mustervertraege deines Versicherers oder lass die Zusage vom Anwalt pruefen.
Fehler 3: PSVaG-Beitrag vergessen. Bei Direktzusagen und Unterstuetzungskassen bist du zur Insolvenzsicherung ueber den PSVaG verpflichtet. Der Beitrag liegt aktuell bei etwa 2,5 Promille des Barwerts der Verpflichtung und ist als Betriebsausgabe abziehbar.
Fehler 4: Steuerliche Grenzen ueberschreiten. Bei Direktversicherungen ist die Steuer- und SV-Freiheit auf 302 Euro monatlich begrenzt. Beitraege darueber sind steuerpflichtig und muessen korrekt abgerechnet werden.
Mein Fazit: bAV lohnt sich auch fuer kleine Unternehmen
Die betriebliche Altersvorsorge ist kein Thema nur fuer Grosskonzerne. Gerade KMU profitieren von der Steuer- und Sozialversicherungsersparnis, und die Direktversicherung macht den Einstieg unkompliziert. Fuer Geschaeftsfuehrer einer GmbH ist die Direktzusage ein zusaetzliches Instrument zur Steueroptimierung. Wichtig ist, dass die Buchungen in der Buchhaltung korrekt erfasst werden und die arbeitsrechtlichen Pflichten eingehalten werden. Wer seine Buchhaltung generell auf solide Fuesse stellen will, findet in meinem GoBD-Ratgeber die Grundlagen.
Haeufig gestellte Fragen
Muss ich als Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge anbieten?
Ja, seit dem Betriebsrentengesetz haben Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung. Du musst mindestens einen Durchfuehrungsweg anbieten, auch wenn du als Arbeitgeber keinen eigenen Beitrag leisten musst (ausser dem Pflichtzuschuss von 15 Prozent). Die meisten Arbeitgeber waehlen die Direktversicherung, weil sie am wenigsten Verwaltungsaufwand verursacht.
Wie hoch ist die maximale steuerfreie Einzahlung 2026?
Fuer Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds gilt eine steuerfreie Grenze von 302 Euro pro Monat oder 3.624 Euro pro Jahr (4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze). Zusaetzlich koennen weitere 1.800 Euro pro Jahr steuerfrei eingezahlt werden, wenn keine Pauschalversteuerung nach altem Recht vorliegt. Fuer Direktzusagen und Unterstuetzungskassen gibt es keine gesetzliche Obergrenze, aber Angemessenheitsgrenzen.
Was passiert mit der bAV, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlaesst?
Bei der Direktversicherung kann der Mitarbeiter den Vertrag privat weiterfuehren oder ruhend stellen. Die unverfallbaren Ansprueche bleiben erhalten. Bei der Direktzusage bleibt der Anspruch gegen den ehemaligen Arbeitgeber bestehen, was bei einer Insolvenz durch den PSVaG gesichert ist. Die Portabilitaet zwischen Arbeitgebern ist bei Direktversicherungen am einfachsten.
Kann ich die bAV auch fuer geringfuegig Beschaeftigte anbieten?
Ja, auch Minijobber haben einen Anspruch auf Entgeltumwandlung. Allerdings ist die steuerliche Attraktivitaet geringer, weil Minijobber ohnehin pauschale Sozialabgaben zahlen. In der Praxis ist die bAV fuer Minijobber selten sinnvoll, weil der Nettovorteil minimal ist.
Wie buche ich den PSVaG-Beitrag?
Den Beitrag an den Pensions-Sicherungs-Verein buchst du als Betriebsausgabe auf Konto 4167 in SKR03 (Beitraege zum PSVaG). Die Rechnung kommt jaehrlich vom PSVaG und ist sofort zahlbar. Der Beitrag berechnet sich aus dem Barwert deiner Pensionsverpflichtungen multipliziert mit dem aktuellen Beitragssatz.



