Viele meiner Mandanten fragen, welches Tool das richtige für sie ist. Meine Antwort hängt immer vom konkreten Betrieb ab — deshalb vergleiche ich hier anhand praxisrelevanter Kriterien.
In meiner Steuerberaterkanzlei werde ich regelmäßig gefragt: „Brauche ich SevDesk oder reicht Smartsteuer?“ Die Antwort ist eindeutig — es ist keine Entscheidung zwischen zwei Alternativen, sondern zwischen zwei verschiedenen Werkzeugen für verschiedene Aufgaben. Ich erkläre Ihnen den wichtigen Unterschied.
Der grundlegende Unterschied: Laufende Buchhaltung vs. Jahressteuererklärung
Das Missverständnis liegt im Begriff „Steuerprogramm“. Beide Tools haben mit Steuern zu tun — aber auf völlig unterschiedliche Weise:
| Aufgabe | SevDesk | Smartsteuer |
|---|---|---|
| Rechnungen erstellen | ✅ Hauptfunktion | ❌ |
| Belege erfassen (laufend) | ✅ täglich | ❌ |
| Bankumsätze kategorisieren | ✅ automatisch | ❌ |
| Umsatzsteuer-Voranmeldung | ✅ monatlich/quartalsweise | ❌ |
| EÜR laufend erstellen | ✅ jederzeit | ❌ |
| Jahressteuererklärung Formulare | ❌ | ✅ Hauptfunktion |
| Anlage EÜR ausfüllen | Daten liefern | ✅ Formular |
| Anlage S / N ausfüllen | ❌ | ✅ |
| ELSTER-Übermittlung Jahreserklärung | ❌ | ✅ |
| Preis | 7,90 € / Monat | ~35 € / Jahr einmalig |
Smartsteuer im Detail: Was das Tool leistet
Smartsteuer ist ein Online-Steuerprogramm für die jährliche Einkommensteuererklärung. Es führt Sie Schritt für Schritt durch alle relevanten Formulare — Anlage S für Selbstständige mit EÜR, Anlage N für Einkünfte aus Anstellung, Anlage KAP für Kapitalerträge und weitere.
Die Bedienung ist intuitiv: Smartsteuer stellt Fragen in verständlicher Sprache, und Sie geben die Zahlen ein. Das Programm füllt automatisch die amtlichen Formulare aus und übermittelt die Erklärung via ELSTER an das Finanzamt. Der Preis von ca. 35 € pro Steuerjahr ist günstig — zahlen Sie nur, wenn Sie die fertige Erklärung abschicken.
Was Smartsteuer gut kann:
- Jahressteuererklärung für Arbeitnehmer und einfache Selbstständige
- Anlage EÜR für eine einfache Gewinn-/Verlustrechnung
- Anleitung durch Fragen-Interviews auch für Laien
- Günstig — einmalig pro Jahr zahlen, kein Abo
- ELSTER-Übermittlung direkt aus dem Programm
Was Smartsteuer nicht kann:
- Laufende Belegerfassung und -archivierung
- Automatischer Bankabgleich und Kategorisierung
- Umsatzsteuer-Voranmeldungen (monatlich/quartalsweise)
- Rechnungen erstellen und versenden
- GoBD-konformes Buchführungsarchiv
- DATEV-Export für den Steuerberater
SevDesk im Detail: Was das Tool leistet
SevDesk ist eine vollständige Buchhaltungssoftware für Selbstständige und Kleinunternehmer. Die Software begleitet Sie das ganze Jahr: Jeden Monat erfassen Sie Belege, verbuchen Bankumsätze und übermitteln die UStVA. Am Jahresende liefert SevDesk die fertigen EÜR-Zahlen für Ihre Steuererklärung.
Als Steuerberater schätze ich besonders den DATEV-Export: Meine Mandanten, die SevDesk nutzen, liefern mir sauber strukturierte Buchungsstapel — das reduziert meinen Aufwand erheblich und spart meinen Mandanten Beratungskosten.
SevDesk-Tarife 2025
| Tarif | Monatlich | Für wen |
|---|---|---|
| S | 7,90 € | Kleinunternehmer §19 ohne UStVA |
| M | 15,90 € | Selbstständige mit UStVA und DATEV |
| L | 27,90 € | Teams, E-Commerce-Händler |
Direkter Vergleich: Wann brauchen Sie welches Tool?
Szenario 1: Angestellter mit Nebeneinkünften
Sie sind angestellt und haben gelegentlich Nebeneinkünfte als Freiberufler (unter 22.000 € Umsatz, Kleinunternehmer). In diesem Fall genügt Smartsteuer für die Jahressteuererklärung mit Anlage S. SevDesk wäre überdimensioniert.
Szenario 2: Selbstständiger Freiberufler (hauptberuflich)
Sie sind hauptberuflich selbstständig, schreiben monatlich 10–50 Rechnungen, sind umsatzsteuerpflichtig und arbeiten mit einem Steuerberater zusammen. Hier brauchen Sie SevDesk für die laufende Buchhaltung. Für die Jahressteuererklärung können Sie ergänzend Smartsteuer oder ELSTER direkt nutzen — oder Ihren Steuerberater die Erklärung erstellen lassen.
Szenario 3: Gründer im ersten Jahr
Im Gründungsjahr rate ich dringend zu SevDesk: Die Buchhaltung von Anfang an sauber aufzusetzen spart erheblichen Aufwand. Die laufende UStVA-Pflicht (meist monatlich im ersten Jahr) erfordert zwingend eine Software wie SevDesk — Smartsteuer deckt das nicht ab.
Die sinnvolle Kombination beider Tools
Viele meiner Mandanten nutzen beide Tools gleichzeitig — und das ergibt Sinn. SevDesk übernimmt die laufende Buchhaltung, die Rechnungsstellung und die monatliche UStVA. Am Jahresende exportiert SevDesk die EÜR-Zahlen. Diese Zahlen trägt der Mandant dann in Smartsteuer ein, füllt die restlichen Formulare (Vorsorge, Werbungskosten, Sonderausgaben) aus und übermittelt die fertige Steuererklärung.
Alternativ — und das nutzen immer mehr Selbstständige — kann SevDesk die EÜR-Daten direkt im ELSTER-Format übertragen, sodass Smartsteuer gar nicht mehr nötig ist.
GoBD und Rechtssicherheit: Ein wichtiger Aspekt
Als Steuerberater muss ich betonen: Wer nur Smartsteuer nutzt, hat keine GoBD-konforme Buchführung. Die GoBD (Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern) verlangen ein revisionssicheres Belegarchiv mit lückenlosem Prüfpfad — das können Programme wie Smartsteuer nicht leisten, da sie nur die Jahreserklärung, nicht die laufende Buchführung abdecken.
Bei einer Betriebsprüfung würde das Finanzamt die GoBD-konformen Buchführungsunterlagen verlangen. Mit SevDesk als Buchhaltungssystem sind Sie auf der sicheren Seite.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich Smartsteuer als einzige Buchhaltungssoftware nutzen?
Nur wenn Sie als Kleinunternehmer ohne UStVA-Pflicht sehr wenige Transaktionen haben und keine laufende Belegerfassungspflicht (GoBD) relevant ist. Für die meisten selbstständigen Unternehmer ist Smartsteuer als alleinige Lösung unzureichend.
Was kostet der Unterschied im Jahr?
SevDesk M kostet 159 € jährlich (oder 15,90 € monatlich). Smartsteuer kostet ca. 35 € einmalig pro Steuerjahr. Beide zusammen kosten etwa 194 € pro Jahr — für vollständige Buchhaltung und Steuererklärung eine sehr faire Gesamtinvestition.
Übermittelt SevDesk auch die Jahressteuererklärung?
SevDesk kann die EÜR und die UStVA direkt via ELSTER übermitteln. Die vollständige Einkommensteuererklärung (Anlage S, Anlage Sonderausgaben, etc.) hingegen erstellt SevDesk nicht — dafür brauchen Sie entweder einen Steuerberater, Smartsteuer oder ELSTER direkt.
Welches Tool empfiehlt sich für Berufseinsteiger als Selbstständige?
Starten Sie mit SevDesk. Die laufende Buchhaltung sauber aufzusetzen ist im ersten Jahr entscheidend — besonders wegen der monatlichen UStVA-Pflicht. Für die erste Jahressteuererklärung können Sie dann zusätzlich Smartsteuer nutzen oder Ihren Steuerberater beauftragen.
Kann Smartsteuer die SevDesk-Daten importieren?
Nicht direkt automatisch. Sie übertragen die EÜR-Zahlen (Betriebseinnahmen, Betriebsausgaben nach Kategorien) manuell aus dem SevDesk-EÜR-Bericht in Smartsteuer. Das dauert ca. 15 Minuten — kein großer Aufwand, wenn die Buchhaltung in SevDesk ordentlich geführt wurde.
Fazit: Kein Entweder-Oder, sondern ergänzende Werkzeuge
SevDesk und Smartsteuer lösen verschiedene Probleme — und genau deshalb ist der Vergleich eigentlich nicht der richtige Ansatz. Wer selbstständig ist, braucht SevDesk für die laufende GoBD-konforme Buchführung. Für die Jahressteuererklärung kann Smartsteuer ergänzend sinnvoll sein, oder Sie lassen Ihren Steuerberater die Erklärung aus den SevDesk-Daten erstellen.
Meine Empfehlung aus 14 Jahren Praxis: Starten Sie mit SevDesk, und entscheiden Sie am Jahresende, ob Sie Smartsteuer oder Ihren Steuerberater für die Steuererklärung nutzen.
Weiterführende Artikel: SevDesk ELSTER-Übermittlung · UStVA automatisch mit SevDesk · EÜR ohne Steuerberater erstellen



