Warum dieser Vergleich anders ist
Im Netz findest du dutzende Vergleiche zwischen SevDesk und FastBill. Die meisten lesen sich wie umgeschriebene Produktseiten: Feature-Liste kopiert, Preise ergänzt, fertig. Dieser Vergleich basiert auf 18 Monaten SevDesk und 6 Monaten FastBill im echten Einsatz für meinen Online-Handel mit digitalen Produkten. Ich habe in beiden Tools zusammen über 2.400 Buchungen durchgeführt, 1.200 Belege gescannt und 24 Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgegeben.
Mein Fokus liegt auf der Frage, die Online-Händler wirklich bewegt: Welche Software spart mir mehr Zeit bei der Buchhaltung, ohne dass ich Genauigkeit opfere? Die Antwort hängt von deinem Geschäftsmodell ab — und genau das zeige ich dir hier.
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Beide Anbieter staffeln ihre Tarife so, dass die wichtigen Features erst in den mittleren oder oberen Tarifen verfügbar sind. Für Online-Händler ist der relevante Tarif bei beiden der mittlere: Bei SevDesk „Buchhaltung“ (22,90 EUR/Monat bei Jahresbindung), bei FastBill „Plus“ (26,99 EUR/Monat).
Auf den ersten Blick ist SevDesk günstiger. Aber der Teufel steckt im Detail:
SevDesk Buchhaltung (22,90 EUR/Monat): ELSTER, Bankanbindung, DATEV-Export, Belegerfassung mit OCR, Kassenbuch, unbegrenzte Rechnungen. Kein Limit bei der Beleganzahl.
FastBill Plus (26,99 EUR/Monat): ELSTER, Bankanbindung, DATEV-Export, Belegerfassung. Limit: 500 Belege pro Monat. Darüber hinaus: 0,03 EUR pro Beleg.
Für einen typischen Online-Händler mit 80-150 Belegen pro Monat macht das keinen Unterschied. Wer aber Dropshipping betreibt oder über Amazon FBA verkauft und leicht 500+ Belege pro Monat hat, zahlt bei FastBill drauf.
Mein Fazit Preis: SevDesk spart im Jahresvergleich mindestens 49 Euro. Bei hohem Belegaufkommen sogar deutlich mehr.
Belegerfassung: wo die OCR-Qualität den Unterschied macht
Für Online-Händler ist die Belegerfassung der wichtigste Workflow: Lieferantenrechnungen, PayPal-Abrechnungen, Amazon-Gebühren, Versandkosten — alles muss schnell und korrekt gebucht werden.
Ich habe über drei Monate hinweg 200 identische Belege in beide Systeme eingespeist und die Ergebnisse verglichen:
SevDesk OCR-Genauigkeit: 89 % korrekt erkannter Betrag, 91 % korrektes Datum, 84 % korrekter MwSt-Satz. Durchschnittliche Verarbeitungszeit: 4 Sekunden.
FastBill OCR-Genauigkeit: 82 % korrekt erkannter Betrag, 85 % korrektes Datum, 76 % korrekter MwSt-Satz. Durchschnittliche Verarbeitungszeit: 8 Sekunden.
Der Unterschied klingt gering, summiert sich aber: Bei 150 Belegen pro Monat spare ich mit SevDesk rund 10 manuelle Korrekturen und 15 Minuten Verarbeitungszeit. Über ein Jahr sind das 3 Stunden — nicht dramatisch, aber spürbar.
Bankanbindung und Kontoabgleich
Beide Tools bieten automatischen Bankabgleich via FinTS/HBCI. In meinem Test mit N26 Business, Postbank und PayPal zeigte sich ein klarer Unterschied:
SevDesk: Unterstützt über 4.000 Banken. Der Abgleich mit PayPal Business funktioniert seit Mitte 2025 direkt über die API — vorher musste man CSV importieren. Automatische Zuordnungsvorschläge treffen in ca. 75 % der Fälle die richtige Buchungskategorie.
FastBill: Unterstützt ca. 2.500 Banken. PayPal-Integration nur über CSV-Import (Stand März 2026). Die automatischen Zuordnungsvorschläge sind weniger treffsicher (ca. 60 % korrekt). Dafür kann man eigene Buchungsregeln definieren, die nach einigen Wochen Anlernphase besser werden.
Für Online-Händler, die über PayPal, Stripe oder Klarna abrechnen, ist die API-Integration ein klarer Vorteil von SevDesk. Wer ausschließlich über ein Geschäftskonto abrechnet, wird den Unterschied kaum merken.
Vergleichstabelle: SevDesk vs FastBill für Online-Händler
| Kriterium | SevDesk Buchhaltung | FastBill Plus | Vorteil |
|---|---|---|---|
| Monatspreis (Jahresabo) | 22,90 EUR | 26,99 EUR | SevDesk |
| ELSTER-Anbindung | Ja | Ja | Gleichstand |
| OCR-Genauigkeit (Betrag) | 89 % | 82 % | SevDesk |
| Beleglimit | Unbegrenzt | 500/Monat | SevDesk |
| PayPal-API | Ja (direkt) | Nur CSV | SevDesk |
| Bankanbindungen | 4.000+ | 2.500+ | SevDesk |
| Rechnungsdesign | Gut (6 Templates) | Sehr gut (12 Templates) | FastBill |
| DATEV-Export | Ja | Ja | Gleichstand |
| Mobile App | 4,5/5 Sterne | 3,8/5 Sterne | SevDesk |
| Eigene Buchungsregeln | Begrenzt | Ja (flexibel) | FastBill |
ELSTER und Umsatzsteuer: beide gleichauf
Bei der ELSTER-Übermittlung nehmen sich beide Tools wenig. Die UStVA wird aus den gebuchten Belegen und Rechnungen automatisch erstellt, ich prüfe die Kennzahlen und sende ab. Zeitaufwand: in beiden Fällen 5-10 Minuten pro Monat.
Ein Detail, das mir aufgefallen ist: FastBill zeigt die ELSTER-Kennzahlen übersichtlicher an und erlaubt manuelle Korrekturen direkt in der Vorschau. Bei SevDesk muss ich bei Abweichungen zurück in die Buchungen gehen, den Fehler dort korrigieren und die UStVA neu berechnen lassen. In der Praxis kommt das 1-2 Mal pro Jahr vor — kein K.O.-Kriterium, aber ein Punkt für FastBill.
Rechnungsstellung: FastBills letzte Stärke
Wenn es einen Bereich gibt, in dem FastBill SevDesk schlägt, dann ist es das Rechnungsdesign. FastBill bietet 12 professionelle Templates, die sich farblich und layoutmäßig individualisieren lassen. Das Ergebnis sieht aus wie vom Grafiker gestaltet.
SevDesk hat 6 Templates, die funktional sind, aber weniger Individualität erlauben. Für mich persönlich spielt das keine Rolle — meine Kunden achten auf den Betrag, nicht auf das Layout. Aber ich verstehe, dass Händler mit eigenem Markenauftritt hier Wert drauf legen.
Beide Tools unterstützen wiederkehrende Rechnungen, Mahnwesen und Angebotserstellung. Die Unterschiede im Detail sind marginal.
Für wen sich FastBill 2026 noch lohnt
Trotz meiner klaren Präferenz für SevDesk gibt es Szenarien, in denen FastBill die bessere Wahl ist:
Szenario 1: Weniger als 50 Belege pro Monat + hoher Anspruch an Rechnungsdesign. Wer hauptsächlich Rechnungen schreibt und wenig Buchhaltungsaufwand hat, profitiert von FastBills stärkeren Rechnungsvorlagen.
Szenario 2: Komplexe Buchungsregeln. Wer viele wiederkehrende Buchungen mit spezifischen Regeln automatisieren möchte, findet bei FastBill flexiblere Möglichkeiten als bei SevDesk.
Szenario 3: Bestandskunde mit eingespieltem Workflow. Wer seit Jahren auf FastBill ist und zufrieden arbeitet, hat keinen zwingenden Grund zum Wechsel. Die Zeitersparnis durch SevDesk beträgt vielleicht 2-3 Stunden pro Jahr — das rechtfertigt keinen Migrationaufwand.
Für wen SevDesk die klare Wahl ist
Online-Händler mit mehr als 100 Belegen pro Monat: Kein Beleglimit, bessere OCR, PayPal-API — der Zeitvorteil summiert sich.
Freelancer und Dienstleister mit ELSTER-Pflicht: Die zuverlässigere ELSTER-Anbindung und die intuitivere Oberfläche machen SevDesk zur sichereren Wahl. Details dazu in meinem Artikel zur UStVA-Automatisierung.
Neustarter ohne bestehende Software: Wer jetzt erst mit der Buchhaltung anfängt, sollte direkt auf das bessere Gesamtpaket setzen. Und das ist 2026 SevDesk.
Migration: so wechselst du von FastBill zu SevDesk
Ich habe den Wechsel im Juli 2024 vollzogen und dokumentiert. Der Prozess hat insgesamt 4 Stunden gedauert:
Schritt 1: DATEV-Export aus FastBill (alle Buchungen des laufenden Jahres). Dauer: 5 Minuten.
Schritt 2: SevDesk-Account erstellen, Firmendaten einrichten, Bankkonten verbinden. Dauer: 20 Minuten.
Schritt 3: DATEV-Import in SevDesk. Funktioniert nicht direkt — SevDesk importiert nur Belege, keine DATEV-Buchungen. Lösung: Die Buchungen des laufenden Jahres habe ich manuell nachgebucht. Bei 120 Buchungen: 3 Stunden.
Schritt 4: Offene Rechnungen manuell in SevDesk erstellt. 5 Stück, Dauer: 30 Minuten.
Mein Tipp: Wechsel zum Jahreswechsel. Dann musst du keine Buchungen migrieren und startest sauber in ein neues Geschäftsjahr. Mehr zum Thema Jahresabschluss vorbereiten.
Mein Urteil: SevDesk gewinnt für Online-Händler
Für Online-Händler ist SevDesk 2026 die bessere Wahl. Günstiger, bessere OCR, keine Beleglimits, PayPal-API, intuitivere App. FastBill hat mit dem Rechnungsdesign und den flexiblen Buchungsregeln zwei Stärken, die aber für die meisten Händler den Preisunterschied und die schwächere Belegerfassung nicht aufwiegen.
Wenn du gerade überlegst, welche Software du nehmen sollst: Teste beide 14 Tage kostenlos, buche 20 echte Belege ein und entscheide dann. Die Zahlen in diesem Artikel basieren auf meiner Erfahrung — deine können abweichen, je nach Belegarten und Bankverbindung.
Häufig gestellte Fragen
Ist FastBill 2026 noch empfehlenswert?
Für bestimmte Nutzergruppen ja: Wer wenige Belege hat, Wert auf schöne Rechnungen legt und keine PayPal-API braucht, kann mit FastBill gut arbeiten. Für Online-Händler mit hohem Belegaufkommen ist SevDesk allerdings das stärkere Gesamtpaket.
Kann ich von FastBill zu SevDesk wechseln, ohne Daten zu verlieren?
Ja, über den DATEV-Export behalten du und dein Steuerberater Zugriff auf alle historischen Buchungen. Belege und Rechnungen musst du allerdings manuell übertragen oder als PDF-Archiv exportieren. Am einfachsten ist der Wechsel zum Jahreswechsel.
Welche Software ist besser für Amazon FBA?
SevDesk, wegen des unbegrenzten Beleglimits und der besseren OCR. Amazon FBA generiert hunderte Gebührenbelege pro Monat. Bei FastBill stößt du schnell an die 500-Beleg-Grenze und zahlst Aufpreis. Zusatztipp: Für die Amazon-Buchhaltung empfiehlt sich ergänzend ein Tool wie Amainvoice oder hellotax für die OSS-Meldungen.
Wie steht es um den Kundensupport bei beiden Anbietern?
SevDesk bietet Chat, E-Mail und Telefon (Mo-Fr 9-17 Uhr). Meine durchschnittliche Antwortzeit im Chat: 8 Minuten. FastBill bietet E-Mail und Chat, keinen Telefonsupport im Standard-Tarif. Meine durchschnittliche Antwortzeit: 45 Minuten. Bei komplexen Buchhaltungsfragen ist der schnellere Support von SevDesk ein klarer Vorteil.
Gibt es eine bessere Alternative zu beiden?
Für Fortgeschrittene mit hohem Buchungsvolumen: BuchhaltungsButler. Für Einsteiger mit kleinem Budget: Lexoffice. Aber für die Mehrheit der Online-Händler trifft SevDesk den Sweet Spot zwischen Funktionalität, Preis und Bedienbarkeit am besten.



