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Inventur und Lagerverwaltung mit sevDesk: Bestände buchmäßig erfassen

Markus Hoffmann

Markus Hoffmann

• Aktualisiert am 9. April 2026 • 4 Min. Lesezeit
Inventur und Lagerverwaltung mit sevDesk: Bestände buchmäßig erfassen

Inventur und Lagerverwaltung mit sevDesk: Bestände buchmäßig erfassen

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Wer Waren kauft und verkauft — Einzelhändler, E-Commerce-Betreiber, Handwerker mit Materiallager, Gastronomen — muss am Jahresende eine Inventur durchführen. Dieser Artikel erklärt die buchhalterischen Grundlagen und zeigt, wie sevDesk die Warenverwaltung unterstützt.

Was ist die Inventur und warum ist sie Pflicht?

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Die Inventur ist die vollständige körperliche Aufnahme aller Vermögensgegenstände und Schulden eines Unternehmens. Für Lagerbestände bedeutet das: Alles zählen, was am Bilanzstichtag (in der Regel 31. Dezember) im Betrieb vorhanden ist.

Pflicht zur Inventur haben:

  • Bilanzierende Kaufleute (GmbH, UG, Handelsregister-Einzelkaufleute)
  • EÜR-Rechner sind NICHT zur förmlichen Inventur verpflichtet, müssen aber Wareneinkäufe und -verkäufe korrekt erfassen

Für EÜR-Rechner gilt das Zufluss-Abfluss-Prinzip: Wareneinkauf ist Ausgabe beim Zahlen, Warenverkauf ist Einnahme beim Empfangen der Zahlung. Der Lagerbestand am Jahresende hat buchhalterisch keine direkte Auswirkung.

Inventurpflicht nach Buchführungsart

Für Bilanzierende (Bilanzpflicht)

Gesetzliche Pflicht: § 240 HGB und § 241a HGB. Die Inventur muss jährlich, vollständig und körperlich durchgeführt werden.

Was wird inventarisiert:

  • Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
  • Unfertige Erzeugnisse (Work in Progress)
  • Fertige Erzeugnisse
  • Handelswaren

Bewertung: Alle Vorräte werden mit dem niedrigeren Wert aus Anschaffungskosten und Nettoveräußerungswert (Niederstwertprinzip) bewertet.

Für EÜR-Rechner

Keine förmliche Inventur nötig. Aber: Eine freiwillige Inventur hilft dennoch:

  • Sie kennen Ihren tatsächlichen Warenbestand
  • Sie können Schwund und Verluste identifizieren
  • Bei Betriebsprüfungen können Sie realistische Angaben machen

Inventurarten

Stichtagsinventur: Am Bilanzstichtag (31.12.) wird alles gezählt. Vorteil: Genau. Nachteil: Zeitaufwendig, Betrieb muss ggf. schließen.

Verlegte Inventur: Innerhalb von 3 Monaten vor oder 2 Monaten nach dem Bilanzstichtag. Vorteil: Flexible Terminierung. Nachteil: Fortschreibung auf den Stichtag erforderlich.

Permanente Inventur: Laufende Aufzeichnung aller Zu- und Abgänge. Beliebt im Einzelhandel. Voraussetzung: Zuverlässiges Lagerbuchführungssystem.

Inventur praktisch durchführen

Vorbereitung

  1. Inventurliste erstellen: Alle Warenpositionen auflisten (aus Einkaufshistorie oder Lagersoftware)
  2. Zählteams einteilen: Mindestens 2 Personen pro Bereich (4-Augen-Prinzip)
  3. Formulare bereitstellen: Zählzettel mit Positions-Nr., Bezeichnung, Einheit
  4. Lager ordnen: Vor der Inventur Ordnung schaffen — mischt Bestände nie zusammen
  5. Zählung ankündigen: Keine Wareneingänge/Ausgänge während der Inventur

Durchführung

  1. Jede Position physisch zählen oder messen (Gewicht, Volumen, Stückzahl)
  2. Ergebnis auf dem Zählzettel notieren
  3. Gegenzählung durch zweite Person
  4. Abweichungen sofort markieren und nochmals prüfen
  5. Unterschrift der zählenden Personen

Auswertung und Bewertung

Nach der Zählung:

  1. Zählmengen mit Buchbestand vergleichen
  2. Differenzen (Inventurdifferenzen) analysieren
  3. Alle Positionen mit Anschaffungspreis bewerten (LiFo, FiFo oder Durchschnittsmethode)
  4. Gesamtwert des Lagerbestandes berechnen

sevDesk und die Lagerverwaltung

sevDesk ist primär eine Buchhaltungssoftware — keine vollständige Lagerverwaltungssoftware. Die Warenerfassung in sevDesk ist auf Buchhaltungsebene konzentriert, nicht auf physisches Lager-Tracking.

Was sevDesk kann:

✅ Artikel (Produkte/Leistungen) anlegen mit Preisen
✅ Ausgangsrechnungen mit Artikel-Positionen
✅ Wareneinkäufe als Ausgabe erfassen
✅ Buchungskonten für Wareneinsatz, Handelswaren unterscheiden
✅ Auswertungen nach Artikel und Umsatz

Was sevDesk nicht kann:

❌ Lagerortmanagement
❌ Mindestbestandsalarme
❌ Barcode-Scanning
❌ Automatische Buchung bei Warenausgang
❌ Seriennummern-Tracking

Für ernsthafte Lagerverwaltung empfehlen sich spezielle Tools wie Billbee (E-Commerce), Lexware Warenwirtschaft, oder Zoho Inventory — mit sevDesk-Integration über Schnittstellen.

Wareneinsatz korrekt buchen in sevDesk

Wareneinkauf buchen

Buchung Wareneinkauf:
Betrag: 1.190 € (inkl. 19% MwSt.)
Buchungskonto: Wareneinsatz (5200/SKR04 oder 3200/SKR03)
Vorsteuer: 190 € (falls umsatzsteuerpflichtig)
Nettoaufwand: 1.000 €
Beleg: Lieferantenrechnung

Inventurdifferenz buchen

Nach der Inventur stellt sich heraus: Buchbestand 500 Stück, Ist-Bestand 485 Stück → Differenz 15 Stück.

Bewertung: 15 Stück × 8 € Einstandspreis = 120 € Inventurverlust.

Buchung Inventurverlust:
Konto Soll: Inventurverluste / Sonstige betriebliche Aufwendungen (6590/SKR03)
Betrag: 120 €
Eigenbeleg mit Beschreibung erstellen

Jahresanpassung Warenbestand (Bilanz)

Für bilanzierende Unternehmen muss der Warenbestand am Jahresende aktiviert werden. Das ist buchhalterisch komplex — sprechen Sie das mit Ihrem Steuerberater ab. In sevDesk können Sie den Bestand über Anlagevermögen-Konten oder spezielle Bestandskonten erfassen.

Checkliste Jahresinventur für Kleinunternehmen

☐ Inventurtermin festlegen (möglichst 27.-31. Dezember)
☐ Inventurliste aus Einkaufshistorie erstellen
☐ Zählteams und -bereiche einteilen
☐ Zählformulare ausdrucken
☐ Körperliche Zählung durchführen (mit Unterschriften)
☐ Ist-Bestand mit Buchbestand vergleichen
☐ Differenzen analysieren und buchen
☐ Warenbestand bewerten (Niederstwertprinzip)
☐ Gesamtwert dokumentieren
☐ Inventurunterlagen 10 Jahre aufbewahren

Fazit

Die Jahresinventur mag lästig erscheinen, ist aber ein wichtiges Instrument zur Kontrolle Ihrer Bestände und zur korrekten steuerlichen Erfassung. In sevDesk buchen Sie die buchhalterischen Auswirkungen — Wareneinkäufe, Inventurdifferenzen, ggf. Bestandsanpassungen. Für physisches Lager-Tracking empfiehlt sich ein spezialisiertes Tool als Ergänzung zu sevDesk.

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Markus Hoffmann
Von Markus Hoffmann

Markus Hoffmann ist zertifizierter Buchhalter mit 18 Jahren Berufserfahrung in der Beratung von Freiberuflern und kleinen Unternehmen. Als langjähriger Partner mehrerer Steuerberatungskanzleien in Bayern hat er Hunderte von Unternehmern bei der Wahl ihrer Buchhaltungssoftware begleitet. Auf buchhaltung-test.com testet er unabhängig SevDesk, Lexoffice, Fastbill und weitere Lösungen für den deutschen Markt.

 ·  Zuletzt aktualisiert: 9. April 2026

Markus Hoffmann

Markus Hoffmann

Steuerberater und Buchhaltungsexperte

Steuerberater mit ueber 15 Jahren Erfahrung. Ich habe mehr als 20 Buchhaltungsprogramme getestet und teile hier meine Praxiserfahrung, um Ihnen bei der richtigen Wahl zu helfen.

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