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Betriebsausgaben absetzen: 12 vergessene Posten

Markus Hoffmann

Markus Hoffmann

• Aktualisiert am 13. April 2026 • 5 Min. Lesezeit
Betriebsausgaben absetzen: 12 vergessene Posten

Warum so viele Selbstaendige Geld verschenken

In meinen Jahren als Buchhaltungsexperte habe ich hunderte Steuererklarungen gesehen, und fast jede hatte dasselbe Problem: fehlende Betriebsausgaben. Nicht weil die Kosten nicht da waren, sondern weil Selbstaendige schlicht nicht wussten, was sie absetzen koennen. Nach meiner Erfahrung verschenken Freiberufler und Kleinunternehmer im Schnitt 2.000 bis 5.000 Euro pro Jahr an Steuerersparnissen. In diesem Artikel zeige ich Ihnen die 12 Posten, die am haeufigsten vergessen werden.

1. Arbeitszimmer und Homeoffice-Pauschale

Seit 2023 koennen Sie die Homeoffice-Pauschale von 6 Euro pro Tag geltend machen, maximal 1.260 Euro pro Jahr (210 Tage). Das gilt auch, wenn Sie kein separates Arbeitszimmer haben. Haben Sie hingegen ein abgetrenntes Arbeitszimmer, das den Mittelpunkt Ihrer beruflichen Taetigkeit darstellt, koennen Sie die vollen Kosten absetzen: anteilige Miete, Nebenkosten, Strom, Internet, Renovierung.

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Mein Tipp: Fuehren Sie ein einfaches Tagesprotokoll. Notieren Sie jeden Tag, ob Sie im Homeoffice oder auswaertig gearbeitet haben. Das dauert 10 Sekunden und sichert Ihnen im Zweifel die Pauschale.

2. Telefon und Internet: Die 20-Prozent-Regel

Selbst wenn Sie Telefon und Internet auch privat nutzen, koennen Sie den beruflichen Anteil absetzen. Ohne Einzelnachweis akzeptiert das Finanzamt pauschal 20 Prozent der Gesamtkosten, maximal 20 Euro pro Monat. Mit Einzelnachweis (drei Monate Aufzeichnungen genuegen) koennen Sie den tatsaechlichen beruflichen Anteil ansetzen, oft 60 bis 80 Prozent.

Bei einem typischen Vertrag mit 50 Euro pro Monat fuer Internet und Telefon sind das 120 bis 480 Euro pro Jahr. Kein Vermoegen, aber Geld, das Sie sonst einfach liegen lassen.

3. Fortbildung und Fachliteratur

Alles, was Sie beruflich weiterbringt, ist absetzbar. Online-Kurse, Workshops, Fachbuecher, Fachzeitschriften, Konferenztickets inklusive Reisekosten. Ich sehe oft, dass Selbstaendige ihre Udemy-Kurse, LinkedIn-Learning-Abos oder Fachbuch-Kaeufe bei Amazon nicht erfassen. Bei einem typischen Wissensarbeiter summiert sich das auf 500 bis 2.000 Euro pro Jahr.

4. Berufliche Versicherungen

Berufshaftpflicht, Vermoegenssschadenshaftpflicht, Cyber-Versicherung, Rechtsschutz (beruflicher Anteil), Inventarversicherung: all das sind Betriebsausgaben. Selbst die Beitraege zur Kuenstlersozialkasse (KSK) und freiwillige Beitraege zur gesetzlichen Rentenversicherung koennen als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

5. Kontogebuehren und Zahlungsdienstleister

Ihr Geschaeftskonto kostet Gebuehren? Absetzbar. PayPal-Transaktionsgebuehren? Absetzbar. Stripe-Gebuehren? Absetzbar. Kreditkartengebuehren fuer die Firmenkreditkarte? Absetzbar. Bei einem Online-Dienstleister kommen da schnell 500 bis 1.500 Euro pro Jahr zusammen. Erfassen Sie das automatisiert ueber Ihre Bankanbindung in SevDesk.

6. Bewirtungskosten: 70 Prozent sind absetzbar

Geschaeftsessen mit Kunden, Partnern oder Lieferanten sind zu 70 Prozent als Betriebsausgabe absetzbar. Voraussetzung: Sie dokumentieren Datum, Teilnehmer, Anlass und den geschaeftlichen Bezug auf der Rueckseite der Rechnung. Die Vorsteuer ist sogar zu 100 Prozent abziehbar.

Viele Selbstaendige sammeln die Belege, vergessen aber die Dokumentation auf der Rueckseite. Ohne diese Angaben wird das Finanzamt die Kosten streichen. Machen Sie es sich zur Gewohnheit: Beleg umdrehen, drei Zeilen schreiben, fertig.

7. Fahrten und Kfz-Kosten

Die Entfernungspauschale (0,30 Euro pro Kilometer, ab dem 21. Kilometer 0,38 Euro) gilt auch fuer Selbstaendige. Alternativ koennen Sie ein Fahrtenbuch fuehren und die tatsaechlichen Kosten ansetzen. Bei einem Dienstwagen, der auch privat genutzt wird, kommt die 1-Prozent-Regelung oder das Fahrtenbuch in Frage.

Vergessen werden oft: Parkgebuehren bei Kundenterminen, Mautgebuehren, ADAC-Mitgliedschaft (beruflicher Anteil), Fahrradkosten fuer den Arbeitsweg.

8. Geschenke an Geschaeftspartner

Bis 50 Euro netto pro Person und Jahr sind Geschenke an Geschaeftspartner als Betriebsausgabe absetzbar. Der Empfaenger und der Anlass muessen dokumentiert sein. Typische Beispiele: Weinflaschen zu Weihnachten, Geburtstagsprasente, Danke-Geschenke nach Projektabschluss. Ueber 50 Euro sind die Kosten komplett nicht absetzbar, nicht nur der uebersteigende Teil.

9. Software und digitale Tools

Jedes beruflich genutzte Tool ist absetzbar. Buchhaltungssoftware wie SevDesk, Projektmanagement-Tools, Cloud-Speicher, Zoom oder Teams, Design-Software, Domain- und Hosting-Kosten. Software bis 800 Euro netto koennen Sie seit 2021 im Jahr der Anschaffung komplett absetzen (Nutzungsdauer ein Jahr gemaess BMF-Schreiben).

Bei vielen meiner Kunden summieren sich die Software-Abos auf 200 bis 500 Euro pro Monat: CRM, E-Mail-Marketing, Analyse-Tools, Buchhaltung, Projektmanagement. Das sind 2.400 bis 6.000 Euro Betriebsausgaben pro Jahr.

10. Beitraege zu Berufsverbaneden und Kammern

IHK-Beitraege, Handwerkskammer, Berufsverband, Netzwerk-Mitgliedschaften mit beruflichem Bezug: alles absetzbar. Auch der Beitrag zum Coworking-Space oder die Mitgliedschaft in einem Business-Club zaehlt, sofern ein beruflicher Bezug besteht.

11. Umzugskosten bei beruflichem Anlass

Wenn Sie aus beruflichen Gruenden umziehen (Standortwechsel, Arbeitsweg wird erheblich verkuerzt), koennen Sie die Umzugskosten als Betriebsausgaben oder Werbungskosten absetzen. Dazu gehoeren Transport, doppelte Miete waehrend der Uebergangszeit und eine Umzugskostenpauschale fuer sonstige Aufwendungen (2024: 964 Euro fuer Alleinstehende, 1.928 Euro fuer Verheiratete).

12. Rueckstellungen fuer kuenftige Kosten

Dieser Posten gilt nur fuer Bilanzierende, aber er wird oft vergessen: Sie koennen Rueckstellungen fuer absehbare Kosten bilden. Steuerberatungskosten fuer den Jahresabschluss, drohende Garantieansprueche, Archivierungskosten fuer die GoBD-Aufbewahrung. Das mindert Ihren Gewinn im laufenden Jahr, auch wenn die Zahlung erst spaeter erfolgt.

Ausgabenposten Typischer Jahresbetrag Steuerersparnis (35% Grenzsteuersatz)
Homeoffice-Pauschale 1.260 Euro 441 Euro
Telefon/Internet 240-480 Euro 84-168 Euro
Fortbildung 500-2.000 Euro 175-700 Euro
Software/Tools 2.400-6.000 Euro 840-2.100 Euro
Bewirtung (70%) 500-1.500 Euro 175-525 Euro
Versicherungen 600-1.800 Euro 210-630 Euro
Kontogebuehren 500-1.500 Euro 175-525 Euro
Geschenke 200-500 Euro 70-175 Euro
Summe 6.200-15.040 Euro 2.170-5.264 Euro

So erfassen Sie alles lueckenlos

Der Schluessel ist Automatisierung. Verbinden Sie Ihr Geschaeftskonto mit Ihrer Buchhaltungssoftware, damit jede Transaktion automatisch erfasst wird. Scannen Sie Belege sofort per App. Erstellen Sie Buchungsregeln fuer wiederkehrende Ausgaben. Ich nutze dafuer die SevDesk-App, die Belege per Foto erfasst und automatisch zuordnet.

Machen Sie es sich zur Routine: Jeden Freitag 15 Minuten Belege pruefen. Einmal im Quartal die Konten durchgehen und nach vergessenen Posten suchen. Das allein kann Ihnen mehrere tausend Euro pro Jahr sparen.

Haeufig gestellte Fragen

Kann ich Kleidung als Betriebsausgabe absetzen?

Nur typische Berufskleidung wie Arztkittel, Sicherheitsschuhe oder Uniformen. Ein Anzug fuer Kundengespraeche ist leider nicht absetzbar, da er auch privat getragen werden koennte.

Was passiert, wenn ich Belege verloren habe?

Sie koennen einen Eigenbeleg erstellen mit Datum, Betrag, Empfaenger, Zweck und Ihrer Unterschrift. Das ist ein Notbehelf fuer kleinere Betraege. Bei groesseren Summen sollten Sie beim Verkaeufer eine Belegkopie anfordern.

Sind Gebuehren fuer Coworking-Spaces absetzbar?

Ja, vollstaendig als Raumkosten. Dazu zaehlen auch Tagespaesse und flexible Mitgliedschaften. Bewahren Sie die Rechnungen auf und buchen Sie sie unter „Raumkosten“ oder „Mietaufwand“.

Kann ich ein privates Handy teilweise absetzen?

Ja, den beruflichen Nutzungsanteil. Entweder pauschal 20 Prozent oder mit Einzelnachweis (drei Monate Aufzeichnungen ueber berufliche und private Nutzung). Das gilt sowohl fuer die Anschaffungskosten als auch fuer die laufenden Vertragskosten.

Muss ich fuer jede Betriebsausgabe einen Beleg haben?

Grundsaetzlich ja, „keine Buchung ohne Beleg“ ist ein Grundsatz der ordnungsgemaessen Buchfuehrung. Ausnahmen sind Eigenbelege fuer Kleinbetraege und pauschale Abzuege wie die Homeoffice-Pauschale, die keinen Einzelnachweis erfordern.

Markus Hoffmann
Von Markus Hoffmann

Markus Hoffmann ist zertifizierter Buchhalter mit 18 Jahren Berufserfahrung in der Beratung von Freiberuflern und kleinen Unternehmen. Als langjähriger Partner mehrerer Steuerberatungskanzleien in Bayern hat er Hunderte von Unternehmern bei der Wahl ihrer Buchhaltungssoftware begleitet. Auf buchhaltung-test.com testet er unabhängig SevDesk, Lexoffice, Fastbill und weitere Lösungen für den deutschen Markt.

 ·  Zuletzt aktualisiert: 13. April 2026

Markus Hoffmann

Markus Hoffmann

Steuerberater und Buchhaltungsexperte

Steuerberater mit ueber 15 Jahren Erfahrung. Ich habe mehr als 20 Buchhaltungsprogramme getestet und teile hier meine Praxiserfahrung, um Ihnen bei der richtigen Wahl zu helfen.

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