Nebentätigkeit neben dem Angestelltenverhältnis: steuerliche Pflichten und sevdesk
Immer mehr Arbeitnehmer verdienen sich als Freelancer, Blogger, Shopbetreiber oder Berater etwas dazu. Das nennt sich nebenberufliche Selbständigkeit — und bringt steuerliche Pflichten mit sich, die viele unterschätzen. Dieser Ratgeber zeigt, was erlaubt ist, was Sie Ihrem Arbeitgeber sagen müssen und wie die Buchhaltung läuft.
Darf ich als Angestellter nebenberuflich selbständig sein?
Grundsätzlich ja — aber mit Einschränkungen.
Arbeitsvertrag prüfen
Viele Arbeitsverträge enthalten Klauseln zu Nebentätigkeiten. Diese können sein:
Genehmigungspflicht: Vor jeder Nebentätigkeit müssen Sie Ihren Arbeitgeber um Erlaubnis fragen. Er kann sie verweigern, wenn die Nebentätigkeit in einem Wettbewerbsverhältnis steht oder Sie dadurch in Ihrer Hauptstelle beeinträchtigt werden.
Verbote: Direkte Konkurrenz zum Arbeitgeber ist in der Regel verboten (Wettbewerbsklausel). Ein IT-Entwickler, der nebenberuflich für Konkurrenten des Arbeitgebers freelanct, verstößt wahrscheinlich gegen seinen Vertrag.
Keine Klausel: Ohne entsprechende Klausel haben Sie mehr Freiheit — aber grundlegende Treuepflichten gelten immer.
Was nie erlaubt ist
- Kunden des Arbeitgebers abwerben
- Betriebsgeheimnisse nutzen
- In der Arbeitszeit für Nebentätigkeit arbeiten
- Arbeitgeber-Ressourcen nutzen (Laptop, Drucker, Telefon)
Gewerbeanmeldung: Wann nötig?
Jede gewerbliche Nebentätigkeit erfordert eine Gewerbeanmeldung — auch nebenberuflich.
Gewerbliche Tätigkeiten (Anmeldepflicht):
- Online-Shop
- Verkauf auf eBay/Amazon/Etsy
- Handwerkliche Dienstleistungen
- Coaching und Training (meist)
- Social Media Management
Freiberufliche Tätigkeiten (keine Gewerbeanmeldung):
- Übersetzen, Dolmetschen
- Journalismus, freies Schreiben
- Programmierung (kann freiberuflich sein)
- Unterrichten, Nachhilfe
- Grafik/Design (je nach Ausrichtung)
Bei Unklarheit empfiehlt sich eine kurze Anfrage beim Finanzamt oder ein Steuerberater-Erstgespräch.
Gewerbesteuer als Nebenwirkung: Mit der Gewerbeanmeldung sind Sie zwar gewerbesteuerpflichtig, zahlen aber erst ab einem Gewinn von 24.500€ Gewerbesteuer — für die meisten Nebenberufler kein Thema.
Steuerliche Behandlung der Nebentätigkeit
Einkommensteuer
Nebentätigkeit-Einnahmen werden zu Ihrem Arbeitnehmer-Einkommen hinzugerechnet und mit Ihrem persönlichen Steuersatz versteuert.
Wichtig: Als Arbeitnehmer zahlen Sie Lohnsteuer auf Ihr Gehalt. Zusätzlich müssen Sie als Nebenberufler eine Einkommensteuer-Erklärung abgeben (Anlage G für Gewerbe oder Anlage S für Freiberufler).
Steuerprogression: Ihr Nebenverdienst wird mit dem Grenzsteuersatz Ihres Gesamteinkommens versteuert. Wer im Hauptjob schon gut verdient, zahlt auf die Nebentätigkeit oft 35-42% Einkommensteuer — das sollte man in der Kalkulation einplanen.
Beispiel:
Jahresgehalt: 45.000€ brutto → Grenzsteuersatz ca. 35%
Nebenverdienst: 12.000€ brutto → Einkommensteuer: ca. 4.200€
Freigrenze vs. Freibetrag
Übungsleiter-Freibetrag (§ 3 Nr. 26 EStG): 3.000€/Jahr steuerfrei bei bestimmten Tätigkeiten (Sport, kulturelle Bereiche, nebenberufliche Lehrenden an Hochschulen). Strenge Voraussetzungen.
Ehrenamtspauschale (§ 3 Nr. 26a EStG): 840€/Jahr steuerfrei für ehrenamtliche Tätigkeiten.
Für normale gewerbliche Nebentätigkeiten gibt es keine besonderen Freibeträge.
Umsatzsteuer in der Nebentätigkeit
Kleinunternehmerregelung: Als Nebenberufler unterschreiten viele die Kleinunternehmergrenze (25.000€ für 2025). Sie stellen Rechnungen ohne USt aus — vereinfacht.
Wann zur Regelbesteuerung wechseln?
- Wenn Ihre Kunden Unternehmen sind (die Vorsteuer abziehen wollen)
- Wenn Sie große Investitionen haben (Laptop, Kamera)
- Wenn Sie über die Kleinunternehmergrenze kommen
Voranmeldungen: Als Nebenberufler können Sie oft von der monatlichen auf die quartalsweise Voranmeldung wechseln — fragen Sie beim Finanzamt.
Buchhaltung für Nebenberufler: Das Minimum
Auch wenn Sie nebenberuflich nur 500€/Monat verdienen, müssen Sie Bücher führen.
EÜR für Nebenberufler
Für die meisten nebenberuflich Selbständigen ist die EÜR die richtige Gewinnermittlung:
Was rein muss:
- Alle Einnahmen aus der Nebentätigkeit (inkl. Sachleistungen, Aufwandsentschädigungen)
- Alle Betriebsausgaben (anteilig, wenn Privatnutzung besteht)
Typische Betriebsausgaben Nebenberufler:
- Anteilige Internetkosten (z.B. 20% für Heimarbeit)
- Homeoffice-Pauschale: 5€/Tag, max. 1.260€/Jahr
- Arbeitsmittel (Laptop, Software, Büromaterial)
- Fortbildungen
- Fachliteratur
- Visitenkarten, Website
sevdesk für Nebenberufler
Der S-Tarif von sevdesk (6,90€/Monat) ist ideal für Nebenberufler:
- Rechnungen erstellen
- Belege per App scannen
- EÜR automatisch erstellen
- Steuererklärung vorbereiten
Die 6,90€ sind selbst Betriebsausgabe und steuerlich absetzbar. sevdesk kostenlos testen →
Die Steuererklärung als Nebenberufler
Was einzureichen ist
Als Nebenberufler reichen Sie in der Einkommensteuer-Erklärung zusätzlich zur normalen Arbeitnehmererklärung ein:
- Anlage G (Einkünfte aus Gewerbebetrieb) oder Anlage S (Einkünfte aus selbständiger Arbeit)
- EÜR als Anlage zur Steuererklärung
- Anlage EÜR (amtlicher Vordruck) oder die vereinfachte Variante bei kleinen Beträgen
Steuer-Vorauszahlungen
Wenn Ihr Gewinn aus der Nebentätigkeit mehr als 400€ im Jahr übersteigt, setzt das Finanzamt automatisch Steuer-Vorauszahlungen fest (quartalsweise). Diese werden bei der Jahressteuererklärung angerechnet.
Überraschungen vermeiden: Legen Sie monatlich 25-30% des Nebeneinkommens für Steuern zurück.
Sozialversicherung: Was ändert sich?
Als Angestellter bleiben Sie versichert
Die gute Nachricht: Ihre Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung läuft unverändert über Ihren Arbeitgeber weiter — egal, wie viel Sie nebenberuflich verdienen.
Rentenversicherungspflicht bei Nebengewerbe?
Nebenberufliche Gewerbetreibende sind grundsätzlich nicht rentenversicherungspflichtig als Selbständige (weil sie über den Hauptjob versichert sind). Ausnahme: wenn Sie hauptberuflich selbständig werden — dann gelten die normalen Regeln.
Krankenkasse informieren?
Ihre gesetzliche Krankenversicherung müssen Sie bei einer Nebentätigkeit nicht informieren — es bleibt alles wie gehabt. Bei der privaten Krankenversicherung kann es Klauseln geben — lesen Sie Ihren Vertrag.
Übergang zur hauptberuflichen Selbständigkeit
Wann ist der Sprung in die Vollzeit-Selbständigkeit sinnvoll?
Finanzielle Faustregel: Wenn die Nebentätigkeit regelmäßig 60-70% Ihres Nettogehalts einbringt, ist die wirtschaftliche Basis für den Schritt gegeben.
Planungs-Checkliste:
- [ ] 6 Monate laufende Kosten als Reserve
- [ ] Mindestens 3 Stammkunden
- [ ] Abgesichertes Krankenversicherung-Setup (freiwillig GKV oder PKV)
- [ ] Rentenvorsorge-Plan (GRV oder private Rente)
- [ ] Buchhaltung professionell aufgesetzt (sevdesk M- oder L-Tarif)
- [ ] Steuernummer für Haupttätigkeit beantragt
Fazit
Nebenberufliche Selbständigkeit ist in Deutschland gut möglich — erfordert aber ein Mindestmaß an Struktur. Mit sevdesk ist die Buchhaltung auch mit wenig Zeit zu bewältigen. Investieren Sie einmalig in eine ordentliche Konfiguration, und der Rest läuft fast automatisch. So können Sie sich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die Nebentätigkeit profitabel wachsen zu lassen.
Buchhaltung Test